"Kommt, ich habe hier ein Dorf für euch, das ich - ohne Zauber, ohne Tricks - allein durch die Kraft der Geschichte verwandeln werde. So wird es euch gelingen, dem Alltag, dem Blick der Gewohnheit, dem Selbstverständlichen zu entfliehen und damit eine wahre Wunderwelt zu erfahren...", so beginnt die letzte von 16 Geschichten, die Leon Dorin den Bewohnern des Dorfes, in das er Monate zuvor gekommen war, erzählt.
"Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang, lang, lang...", singt schon der Schuster Knieriem im Lumpazivagabundus. Seither wird fröhlich weitergesudert. Weil das Sudern in Wien als eigene Disziplin gilt, hat Fabian Burstein prominente Kulturpessimisten eingeladen, den Untergang einzelner Branchenzweige abzufeiern.
Gegen Ende des 19. und auch Anfang des 20. Jahrhunderts noch galt es für Frauen und Mädchen, die sich in der Malerei ausbilden bzw. weiterbilden lassen wollten, große Hindernisse zu überwinden um ihren Traum leben zu können. Dem weiblichen Geschlecht wurde zum Fin de siècle der Zutritt zu den meisten Akademien verweigert. Eine Professionalisierung war seitens der Gesellschaft undenkbar, der Berufswunsch Künstlerin gänzlich inakzeptabel, der Weg dorthin ein steiniger, oftmals unerfreulich.
Lärm ist allgegenwärtig, das muss auch der Lemming in diesem seinem vierten Fall erkennen. Die Figuren leiden unter übertönenden und einnehmenden Geräuschen, rächen sich an vermeintlichen Bösewichten und morden aus Wahnsinn. "Lemmings Zorn" von Stefan Slupetzky ist eine bedrückend unterhaltsame Gesellschaftsstudie in den Tiefen des Wienerischen über die Grenzen des Ertragbaren, über Gerechtigkeit und Vergeltung und über das Glück, das ein Vogerl ist.
Der alte Bedford-Lieferwagen wird zunächst in der Straße vor Bennetts Haus hin und her geschoben um dem Unmut der Behörden zu entgehen. 20 Jahre (von 1969 bis 1989) lang gehört Miss Shepards rolltaugliche Wohlhöhle zu Alan Bennetts Alltag unter den Exzentrikern von Camden. Die ersten Jahre vergehen in distanzierter Beobachtung.
Sie sind auf der Suche nach Verlegenheitsweihnachtsgeschenken und denken dabei an Bücher? Ach, Sie wissen noch nicht genau, ob es eher eine pädagogisch wertvolle Lektüre sein soll oder ob es in erster Linie spannend oder in zweiter Linie tierfreundlich sein soll, Hauptsache, die Urheber sind prominente Autoren wie Heinrich Steinfest, Simon Beckett, Sasha Walleczek, Ugo Cornia, Alan Bennett? Nun, warum nicht. Christine Koblitz kennt die Wünsche und liefert zwar nicht die Bücher, dafür aber unwiderstehliche kategorische Argumente.
Mit "Das Herz der Nacht" ergänzt Ulrike Schweikert "Der Duft des Blutes" und "Das Feuer der Rache" um die Vorgeschichte ihres romantischen Helden Peter von Borgo. In dieser Vampirschmonzette läuft er als Graf András Petru Báthory durch das morbide Wien des 19. Jahrhunderts, vorbei am Narrenturm über den Friedhof der Namenlosen in die Arme der Fürstin Therese Kinsky. Gleichzeitig hinterläßt ein Unbekannter eine blutleere, aufgerissene Frauenleiche nach der anderen.
Es ist ein an für sich lobenswertes Unterfangen. Nämlich der in Abrasion begriffenen Sprech- und Sprachkultur mit einem alltagstauglichen Büchlein wieder auf die Sprünge zu helfen. Vortragende aller Art - vom honorigen Staatenlenker bis zur nobelpreisverdächtigen Biochemikerin beim Fachkongress - eint eines: Sie können meist (von vereinzelten sprachlichen Lichtblicken wie Barack Obama abgesehen) nicht gut sprechen, geschweige denn verständliche Vorträge halten.
Kein Imbiss, sondern ein Gedichtband gegen die Schnelllebigkeit. Ein Aufbegehren gegen den Wahn von Tempo und schnell verbrauchendem Konsum. Ein im besten Sinne langsames Buch. Der Gedichtband "Scardanelli" von Friederike Mayröcker lässt einen innehalten.
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