Der Wagenbach Verlag, bekannt für tiefsinnige, engagierte und hochpoetische Literatur, hat mit "Der Konformist" von Alberto Moravia wohl nicht von ungefähr eine Neuausgabe eines wichtigen Buchs gewagt. Wenn dieses auch zweifellos in die Reihe "Politische Klassiker der Moderne" eingereiht werden kann.
Pete Smith erzählt in seinem Jugendroman "So voller Wut" die Geschichte eines Jungen, der glaubt, dass ein Amoklauf an seiner Schule für ihn die einzige Handlungsmöglichkeit darstellt. Der aufreibende Roman ist im Ueberreuter Verlag erschienen.
Mörderbezirk 5er City: Edith Kneifls Krimi "Schön tot" bietet einen Crashkurs durch die Geschäfte und Gastronomie des fünften Wiener Gemeindebezirks vom Sofa aus, im Slalom zwischen mehreren Frauenmorden: Leichte Lektüre mit Mehrwert.
"Studieren ist ein gutes Mittel um die Zeit totzuschlagen." Saya will mehr als NUR studieren - sie will richtig viel Spaß haben ... und diesen findet sie in Nachtclubs, bei Drogen und Alkohol und letztlich in einer Liebe, die aus Abhängigkeit besteht.
Für ihr Romandebüt "Frauenland" erhielt Rachida Lamrabet 2008 in Belgien den Vlaamse Debuutprijs, den Preis für das beste flämische Debüt des Jahres. Heike Baryga hat den Roman nun aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt.
Ein Brand am Weg zur Arbeit, Asche die vom Himmel rieselt, das wohlige Knistern des Feuers im Kamin, die Stichflamme am Grill - das Feuer ist in diesem so genannten Thriller omnipräsent. Außerdem wächst es auch in Kate Powells Leib heran, zumindest wenn wir den deutschen Titel "Flammenbrut" wörtlich nehmen.
Der Buchtitel stammt vom Arabischen "as-sumut", was übersetzt soviel wie "die Wege" heißt. Macht Sinn, denn der Roman von Peter Steiner handelt von einem Landvermesser.
Die in Albanien geborene Autorin erzählt die Geschichte einer Frau, die nur eines möchte: Leben. In einer verstörenden lyrischen Sprache abstrahiert Mimoza Ahmeti nicht nur die Psyche dieser Frau, sondern auch die Realität Albaniens.
Um den Wein dreht sich hier sehr viel. Jedenfalls wenn man ins Weinviertler Wiesbachtal gehört, wo der selbsterwählte Gendarmeriepensionist Simon Polt den Wirten übernimmt und trotzdem seine milieuangepasste Spürnase nicht völlig im Frühveltliner untergehen lässt.
Leichte Literatur mit schwerem Inhalt, schwere Entscheidungen mit leichten Zweifeln und leichtes Suchtpotenzial mit schwer durchzuführenden Pausierungen beim Lesen bietet "Wenn ich bleibe", der neue Roman von Gayle Forman. Für Bücherratten im Strandurlaub oder an einem verregneten Sommertag ein gefundenes Fressen.
Nach dem späten Erfolg ihres ersten Werkes "Eine Frage der Schuld" wurde nun ein weiterer von Leidenschaft, Kummer und Leid geprägter Roman der, anno dazumal "nur" als Ehefrau Lew Tolstois bekannten, Schriftstellerin Sofja Tolstaja veröffentlicht. Kurz und mitreißend - wie es Emotionen eben so an sich haben - ist dieses Werk, das unter anderem einen weiteren Einblick auf das Eheleben der Tolstois wirft.
Was nach Sommerlektüre aussieht, passt auch für den Rest des Jahres. Autor Matthias Keidtel gelingt mit dem Holm-Roman "Geht doch!" eine irrwitzige Komödie, die bestens zu unterhalten versteht.
In der von Renatus Deckert herausgegebenen Anthologie "Die Nacht, in der die Mauer fiel" erzählen 25 Schriftsteller aus Ost- und Westdeutschland von ihren persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen an den Fall der Berliner Mauer. Aus ihren individuellen Erinnerungen entsteht ein interessantes Bild des 9. November 1989.
Der neben Walther von der Vogelweide bedeutendste deutschsprachige Lyriker und Minnesänger des Mittelalters - Oswald von Wolkenstein - erhält vom Lyriker und Sänger Gerhard Ruiss eine voll- und anständige Nachdichtung.
"Ich nehme wahr, was geschieht, gucke aber auch gern einmal weg, wenn das Personal des Alltags allzu schnöde meine Wege säumt." So Max Goldt über sich und sein Schaffen. Wer über seine Bücher berichten will, muss über ihn schreiben. Das liegt an seiner ganz eigenen Gattung.
Steven Stelfox, ein junger Emporkömmling im Musikbusiness erzählt seine Geschichte. Die Geschichte eines brutalen, machthungrigen Egomanen, der für Erfolg buchstäblich über Leichen geht. "Kill your Friends" beginnt im Jahr 1997 und arbeitet sich durch eine andere Art der Musikgeschichte, gesehen durch die blutbefleckte Brille des Protagonisten.
Tiziano Scarpas kurzer Roman "Stabat Mater" gewann in Italien den wichtigsten Literaturpreis, den Premio Strega und wirft die Frage nach dem Warum auf. Die Geschichte basiert auf dem wahren Fakt, dass Antonio Vivaldi in einem venezianischen Waisenhaus als Musiklehrer unterrichtete und komponierte. Der Autor verflocht diese historische Begebenheit mit der Erzählung über ein Waisenmädchen, welches ihre innere Leere mit ihrem Violinspiel bekämpft. Ein sprachliches Meisterwerk mit wenig Aussage.
Der Roman "Die Karte meiner Träume" erzählt eine Geschichte, die vielleicht unrealistisch, aber unglaublich fesselnd ist. Mit Kartierungen, Diagrammen und Randbemerkungen schmückt der amerikanische Autor Reif Larsen jede einzelne Seite des Buches und verleiht ihm somit zusätzlich Leben.
Peter Sputnik wird aus dem Landschaftsparadies mit Krokantbecher herausgerissen um - wie es sich für einen Superhelden gehört - die Welt zu retten. Denn der Superschurke V hat nichts weniger als die Auslöschung der Erde im Sinn und bringt die Weltenregierung in ihrem Untergeschoßsitzungszimmer gewaltig in Bedrängnis. Axel Simon hat mit "Tatütata für Peter Sputnik" seinen ersten Roman geschrieben, in dem die Seltsamkeiten mit höchster Unterhaltsamkeit kumulieren.
Der fünfte Thriller von Colin Harrison erhielt in der deutschen Übersetzung einen Titel, der mit der Geschichte eigentlich nichts zu tun hat. Dessen ungeachtet gelang dem amerikanischen Bestsellerautor mit "Im Schlund des Drachen" (The Finder) ein bis zur letzten Seite spannendes Buch.
Geld oder Liebe ist in diesem hardboiled Krimi wieder einmal die zentrale Frage. Zwei Schlitzohren wollen einem noch größeren Schlitzohr eine hübsche Summe aus der Tasche ziehen, noch dazu ganz legal. Sie haben einen guten Plan, aber leider auch eine gute Aussicht auf Gundermans bildhübsche Sekretärin Evelyn. Die harten Sprüche der harten Kerle aus Lawrence Blocks "The girl with the long green heart" wurden von Andreas C. Knigge neu übersetzt und sind bei Rotbuch in der Hard-Case-Reihe erschienen.
Der Titel trügt: "Der beste Roman aller Zeiten" ist nicht der beste Roman aller Zeiten, dafür sehr lustig zu lesen. Oliver Maria Schmitt gelang damit jedenfalls eine köstliche Satire auf das Schreiben, Inspiration und den Literaturbetrieb im Allgemeinen.
Peter Rosei erzählt in "Das große Töten" von zwei Männern, deren Biographien die längste Zeit parallel, aber ohne Berührungspunkte geschildert werden. Was sie trotz der ganz verschiedenen Biographien verbindet, ist eine Abgetrenntheit von sich selbst und also auch von ihrem Umfeld. Sie finden schließlich über den Blog des einen zusammen, um gemeinsam den Titelgebenden Plan auszuführen. Ein Roman, dem es gelingt, etwas nie ganz Nachvollziehbares in seiner Nicht-Nachvollziehbarkeit zu erzählen.
Julian Schuttings Bücher sind kein Spaziergang, selbst wenn sie Titel wie "Auf der Wanderschaft. Über das Vergnügen am Gehen" tragen. Mit diesem Wissen klappt man also das dünne Bändchen auf und beginnt zu lesen.
Dieses Buch handelt ganz stark von Artenschutz. Bedrohte Wörter aus dem alten Wienerischen finden sich zuhauf in dieser Geschichtensammlung von H.C. Artmann. Ein unverfälschtes, schräges, altes Wien wird in diesem bunten Potpourri von Schnurren und G’schichtln wortreich austapeziert.
Felix Mitterer hat sich die Verhörprotokolle und das psychiatrische Gutachten im Falle des Briefbombers Franz Fuchs hergenommen und daraus einen theatralen Monolog geschaffen, der sowohl erhellend als auch beklemmend in die brutalen Abgründe eines "normalen, intelligenten" Menschen blicken lässt.
"Kommt, ich habe hier ein Dorf für euch, das ich - ohne Zauber, ohne Tricks - allein durch die Kraft der Geschichte verwandeln werde. So wird es euch gelingen, dem Alltag, dem Blick der Gewohnheit, dem Selbstverständlichen zu entfliehen und damit eine wahre Wunderwelt zu erfahren...", so beginnt die letzte von 16 Geschichten, die Leon Dorin den Bewohnern des Dorfes, in das er Monate zuvor gekommen war, erzählt.
Lärm ist allgegenwärtig, das muss auch der Lemming in diesem seinem vierten Fall erkennen. Die Figuren leiden unter übertönenden und einnehmenden Geräuschen, rächen sich an vermeintlichen Bösewichten und morden aus Wahnsinn. "Lemmings Zorn" von Stefan Slupetzky ist eine bedrückend unterhaltsame Gesellschaftsstudie in den Tiefen des Wienerischen über die Grenzen des Ertragbaren, über Gerechtigkeit und Vergeltung und über das Glück, das ein Vogerl ist.
Der alte Bedford-Lieferwagen wird zunächst in der Straße vor Bennetts Haus hin und her geschoben um dem Unmut der Behörden zu entgehen. 20 Jahre (von 1969 bis 1989) lang gehört Miss Shepards rolltaugliche Wohlhöhle zu Alan Bennetts Alltag unter den Exzentrikern von Camden. Die ersten Jahre vergehen in distanzierter Beobachtung.
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