Einen Monat lang sind der Choreograf Daniel Aschwanden und der Dramaturg Peter Stamer den Weg des Geldes quer durch China gefahren. Die beiden Künstler brachten einen 10-Yuan-Schein (umgerechnet ein Euro) in Umlauf und beobachteten seinen Weg. Unter dem gefährlichen Attribut "Performance" versetzten sie das Publikum im Tanzquartier Wien (TQW) für 90 Minuten in einen ungewöhnlichen, beeindruckenden Reisebericht für alle Sinne.
Rabauki ist ein Verein mit dem Anspruch Theater, Kunst und Kultur für Kinder zu fördern. Jedes Jahr werden Kinder für eine neue Musical-Produktion ausgewählt und mit professionellen Schauspielern auf die Bühne gebracht. Strahlt Felixmachtehnix in der ersten Viertelstunde noch ungewolltes Kiddy-Contest-Flair aus, kommen ab der Hälfte betont märchenhafte Elemente ins Spiel.
Das von Franz Lehar in nur 4 Wochen fertig komponierte und am 12. November 1909 uraufgeführte unterhaltsame Werk, kommt nun in einer Inszenierung von Michael Schottenberg an der Wiener Volksoper zu neuen Ehren.
Wir schreiben das Jahr 1537 und befinden uns in Florenz: Es regiert der Herzog Alessandro de Medici, der sich mehr für seinen ausschweifenden Lebensstil interessiert, als die Politik. Statt zu murren, gleichgültige Beteiligung der Bevölkerung. Die Stadt versinkt im Chaos. Wir schreiben das Jahr 2009 und befinden uns in Wien: Es regiert der Wissenschaftsminister Johannes Hahn, der sich weder für Ausschweifung noch für Politik interessiert. Die Studenten protestieren auch im Burgtheater. Für manchen Bürger eine unbequeme Störung des Betriebs.
Das Stück beginnt im Foyer. Fini Foto (Claudia Mayer) heißt das junge Publikum herzlich willkommen und bittet es ins Projektionszelt. - Projektionszelt? Ja richtig, es ist kein Theaterraum und es ist auch kein Theaterstück, das wird den Kindern schnell klar, auch wenn ihnen sonst zunächst nicht viel klar ist. Aber zum Glück gibt es im Anschluss ein Publikumsgespräch, in dem Christian Reiner die ganze Handlung noch einmal erzählt.
Neun Jugendliche vom Freedom Theatre Jenin gastierten im Dschungel Wien im Rahmen des Festivals Salam Orient 2009 und brachten durch eine Tanz-Perfomance Geschichten aus ihrem Leben auf die Bühne. Im Anschluss daran wurde zu einer Diskussion zum Thema "Jugend in Krisenregionen" gebeten.
Realistischer Darstellungswillen mit minutiösen Schilderungen des Alltags der Familie Pinneberg zeichnet den Roman von Hans Fallada aus. Ein Stück Literaturgeschichte und zugleich ein Psychogramm, das nun wieder einmal auf die Theaterbühne gebracht wird.
Da haben sich die Frauen- und Herrenschaften vom Schauspielhaus Wien zum Gaudium des Publikums wieder allerhand einfallen lassen. Regisseur Simon Solberg nahm nämlich einige wenige Ingredienzen vom epischen Opus "Argonautika" von Apollonios Rhodios und machte daraus eine (für das Publikum vergnügliche) Reise zum Goldenen Vlies.
Kathrin Rögglas Sprachgewalt lässt Dramaturgenherzen schneller schlagen. Der Katastrophenjargon in Konjunktiv und indirekter Rede kalkuliert des Zuschauers Verwirrung mit ein. Wenn das Abgleiten der Aufmerksamkeit in die Resignation droht, setzt der Regisseur Lukas Bangerter im Schauspielhaus Wien auf Bürogymnastik, Kaffeeautomatenballett oder Cha-Cha-Cha-Einlagen zur Auflockerung.
"Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!", ruft ein Kind nach der Vorstellung von "Über Morgen" im Dschungel Wien den Schauspielern zu. Und genau das ist es, was das junge und erwachsene Publikum sich wünscht, die Geschichte noch einmal erzählt zu bekommen. Und noch einmal. Und noch einmal.
Im Salon 5 kennt man sich mittlerweile mit dramatisierter Prosa aus. Sowohl Kehlmanns "Ich und Kaminski" als auch Joey Goebels "Vincent" haben dort schon Premiere gefeiert. Jetzt kam mit "Liebesgeschichte" von Franzobel - im Rahmen des Festivals "ZORN!" - ein weiterer Geniestreich hinzu.
"Nicht jedes Kind hat ein heiles Familienleben, [...] nicht jeder der seinen Wohnort verlässt, findet an einem neuen Ort einen schützenden Hafen an dem er sich zu Hause fühlen darf." Das sind die einleitenden Worte der Broschüre zum Szene Bunte Wähne Theaterfestival 2009 in Horn. Und in der Tat, treffender hätte man es für die internationale Produktion "Everything Falls Apart" nicht ausdrücken können.
Birgit Minichmayr wechselt oft die Perücke und ein Moderator betreibt Kindesbenutzung. "Struwwelpeter" im Burgtheater Wien. Eine Warnung.
Tödliche Langeweile überkommt einen 14-jährigen Jungen in den Sommerferien. Die drückende Hitze, die absolute Monotonie und dann ein Lebensverändernder Ausbruch. Was sich, von Daniel Kehlmann zu Papier gebracht, ganz spannend anhört, erfuhr eine eher enttäuschende Umsetzung.
Ein groteskes Kammerspiel mit Hang zum zornigen Sensorium verabreichte Hörspielspezialist Matthias Wittekindt dem Theaterfestival "ZORN! Dramatisches Erzählen Heute" mit seinem ebendort uraufgeführten Stück "Mann ohne Beil".
Die georgische Dramatikerin Nino Haratischwili steuerte für das feine Theaterfestival "ZORN!" die dramatische Erzählung "Georgia" bei, die in der Neuen Studiobühne im Max Reinhardt Seminar zur Österreichischen Erstaufführung gelangte. Ein Stück über Ignoranz, Leere, Trauer, Schmerz und Wut.
So poetisch der Titel, so nüchtern die Aufführung. Virtuos wird die Technik bemüht, virtuos auch die Performance der Schauspieler. Allein es bleibt ein schaler Nachgeschmack. "Moi Seul - Ich allein" von Compagnie ACTA unter Regisseur Laurent Dupont und Fotografien von Agnés Desfosses ist als Kindertheater ab 3 konzipiert.
Unter der Regie von Yvonne Zahn zeigt das Szene Bunte Wähne Theaterfestival mit dem Reality-Stück "Teddys Reisen" ein spezielles Kuscheltier-Event in 2 Teilen. Anne Aschenbrenner sah die Aufführung am 26. September 2009 im Vereinshaus Horn.
Allein schon um einmal in der Studiobühne im Max Reinhardt Seminar zu sitzen, hat es sich gelohnt eine Produktion des Zorn Festivals zu besuchen. Beeindruckt ist man dann, wenn die Darsteller unter der Regie von Steffen Jäger in Euripides' "Bakchen" ihr schauspielerisches Können unter Beweis stellen.
Vier Muezzine und ein Elektriker aus Kairo präsentieren in "Radio Muezzin" von Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) ein Bild des Alltags in der ägyptischen Hauptstadt. Sie sagen immer die Wahrheit und schweigen über den Rest. Trotz Zurückhaltung und Kompromissen bekommen wir einen Einblick in eine andere Kultur mit dem Selbstverständnis des täglichen Lebens ohne repräsentativen Firlefanz. Zu sehen beim Steirischen Herbst im arabischen Original mit deutschen und englischen Übertiteln.
Das Portraittheater bringt in ihrer dritten Produktion erneut eine enorm wichtige historische Persönlichkeit auf die Bühne - nach Hannah Arendt (2006) und Simone de Beauvoir (2008) wird in "Peace Please!" an die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner erinnert.
Suzanne Lietzow inszeniert John Gays barocke Satire über Korruption und Doppelmoral - die Bettleroper - als kurzweilige Posse über die Abgründe im Lumpenberg zum 20-jährigen Jubiläum des Projekttheaters Vorarlberg. Komponist Gerhard Gruber zieht alle Register des Synthesizers und verleiht den schrillen Figuren der Unterwelt mit Zitaten quer durch die Musikgeschichte ein musikalisches Profil.
Die Wiener Volksoper startete unter der Regie von Michael Schilhan mit einer Neuinszenierung von Carl Zellers Operette "Der Vogelhändler", die 1891 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, in die Saison.
Tom Waits Musik, eine fetzige Choreographie, tolle Schauspieler - man sollte es Kathi Zechner zeigen, wie Musical auch sein könnte abseits von unsäglichem "Rudolf"-Kitsch. Die Rede ist von der Neuinszenierung von "The Black Rider", dem "Freischütz"-Thema mit Texten und Musik von Tom Waits nach einer Originalbearbeitung von Robert Wilson. Zu sehen im Metropol Theater München, dem deutschsprachigen Off Theater des Jahres 2008.
Ein konstruiertes Theaterstück von Anja Hilling, entstanden unter Laborbedingungen. In "Schwarzes Tier Traurigkeit" werden Menschen in der Natur ausgesetzt, die Katastrophe hinzugesetzt, die Folgen beobachtet. Ein sprachliches Experiment vor den Augen des Zuschauers: Sechs Leute gehen in den Wald und grillen ein Baby.
"Gehen wir Oscar-Preisträger schauen" wäre der richtige Titel für die letzte große Festwochenproduktion. Zugegeben, das war auch meine Motivation. Der Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffmann dominiert als erklärter Schurke Jago fast das ganze Stück. Er tut es mehr mit stimmlicher Kraft, denn mit subtiler Stärke, körperlich reduziert auf das Allernotwendigste. Für Begeisterung reicht es nicht, Enttäuschung ist es aber auch keine. Die zentrale Frage dieser lähmenden Aufführung, warum Othello auf Jagos Täuschung aus reiner Rhetorik hereinfällt, bleibt ungelöst.
Eine Outdoor-Performance muss nicht zwangsläufig ein schwatzhafter Spaziergang für Theater affines Volk mit beiläufigem kulturellem Inhalt sein. Der südafrikanische Theatermacher Brett Bailey verwebt den Orfeus-Mythos mit traditionellen, afrikanischen Ritualen und politischen Themen.
Aus der Türkei werden selten Stücke nach Wien eingeladen. Was an der sprachlichen Barriere liegen kann. Bei dem Sprechtempo sind die Übertitel nur ein Kompromiss. Doch wird auch hier eindrucksvoll gespielt. Szenisch unaufwendig, wie meist bei den kleinen Produktionen des forum festwochen, erzählen in "Hässliches Menschlein (Çirkin İnsan Yavrusu)" drei junge Frauen aus Istanbul aus ihrem Leben.
Die Auseinandersetzung mit der politischen Situation im Libanon steht bei allen Arbeiten des Performance-Künstlers Rabih Mroué im Vordergrund.
Der italienische Regisseur Romeo Castellucci hat für das Festival d'Avignon "Die göttliche Komödie" von Dante Alighieri in den drei Teilen "Hölle", "Fegefeuer" und "Paradies" inszeniert. Ein "unmögliches Projekt" wie er sagt. Der Reiz des Unmöglichen schlägt sich in einem Dutzend Festivaleinladungen auf der ganzen Welt nieder. Teil Zwei der "Divina Commedia", Purgatorio, der Läuterungsberg, war im Rahmen der Wiener Festwochen im Theater an der Wien zu sehen.
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