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Mitte der 1970er Jahre trafen sich Amadou Bagayoko und
Mariam Doumbia, beide damals noch Teenager, am "Institut für Junge Blinde" in
Mali. Schnell stellte sich ein gemeinsames Interesse an Musik heraus, das sie
Anfang der 1980er Jahre begannen miteinander auszuleben. Die nächsten Jahre
produzierten und werkten die beiden, mittlerweile verheirateten, Malianer und
erreichten einen gewissen Bekanntheitsgrad in ganz Westafrika. 2005 gelang
ihnen der Durchbruch auch in Europa. Zunächst mit dem von Manu Chao
produzierten Album "Dimanche à Bamako" aufgestiegen, folgte die gemeinsame
Aufnahme "Zeit, dass sich was dreht", der offizielle Song zur
Fußballweltmeisterschaft 2006, mit Deutschlands heimischer Größe Herbert
Grönemayer. Mit der Single-Auskopplung "Senegal Fastfood" feat. Manu Chao aus "Dimanche
à Bamako" hatte das Duo den Fuß in der Tür der europäischen Musikindustrie. Der
Einfluss des spanischen "Weltmusikers" Manu Chao lässt sich nicht verleugnen,
sind Ska-, Rock- und Reggae-Kombinationen gepaart mit Bläsern und Trommlern doch
typische Wiedererkennungsmerkmale seinerseits.
Nichts desto trotz überzeugen Amadou & Mariam mit ihrem
eigenen Stil, den sie in "Welcome To Mali" gekonnt weiterführen. Traditionelle
malische Melodien gemischt mit Rock-Riffs, syrischen Violinen, kubanischen
Trompeten, ägyptischen Nays, kolumbianischen Posaunen, indischen Tablas und
Percussions sind die Zutaten für die eigensinnige Rezeptur des Musikerpaars aus
Mali. Abwechslungsreich ist das neue Album auf jeden Fall. Als
Antwort auf den Vorgänger "Dimanche à Bamako"
ist es jedoch wenig innovativ, finden sich doch tatsächlich ganze Themen
in leicht abgewandelter Weise wieder. Beim ersten Hineinhören stellt sich "Welcome To Mali" zunächst einmal als billiger Abkupferungsversuch des
erfolgreichen Release von 2005 heraus, eine zweite Hörprobe ist es aber wert. Die
Bewertung eines eingefleischten Amadou & Mariam-Hörers: "Liebe auf den
zweiten Blick", denn die Rhythmen bewegen noch immer den Körper und die Texte
die Seele. Produziert u. a. von Damon Albarn (Blur) wurde "Welcome To
Mali" 2009 für einen Grammy in "Weltmusik" nominiert. Das Musiker-Ehepaar, das sich bereits in ihren 50ern
befindet, komponiert und schreibt jedenfalls gemeinsam weiter und arbeitet schon
an ihrem nächsten Album. Da lässt sich wohl nur abwarten und Teetrinken und ein
bisschen Mali-Sonne ins Wohnzimmer holen, bis wir die neuen Klänge von Amadou &
Mariam als kleine Aufhellung in der kalten Jahreszeit begrüßen dürfen. (Nathalie
Wessely)
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CD-Tipp:
Amadou & Mariam - Welcome To Mali
Musik: @@@@
Klang: @@@@@
Label/ Vertrieb: Warner (2008)
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