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Da konnte man noch so oft die Augen reiben - hinter welchem
Vorhang sich die Streicher und die Bläsersektion versteckten konnte einfach
nicht verifiziert werden. Ach, das Orchester hatte Platz im Keyboard? Sehr
praktisch (siehe auch Konzertkritik Natalie Cole). Und das Mundharmonikasolo
wurde ebenfalls mit den Tasten gespielt? Ja, warum nicht, dem Publikum war all
das egal, hüpfte vor Freude, spendete dem großen Mr. Benson Standing Ovations, wurscht
woher die Instrumente kamen, Hauptsache, er und seine Songs waren da, und Hauptsache, es durfte mitgeklatscht werden. Nur
einige Unbeirrbare schüttelten verwirrt den Kopf oder lachten einfach darüber
was sie da hörten und sahen. Was gab es an diesem kuriosen Konzertabend also zu
hören? Leider nur sehr wenig aus seinem neuen, wunderbaren, Album Songs and
Stories. Eine Band, die rasch ihre Grenze erreichte. Sehr viel Plastikgefühl
bzw. ein Geschmack von verkorktem Wein, da helfen die besten Songs nichts, sei
es "Give me the Night", sei es "On Broadway". Warum George Benson z.B. in Belfast
mit großem Orchester spielt und in Wien auf Radikaldiät setzte mag möglicherweise
wirtschaftliche Gründe haben, dass Benson allerdings derart peinliche
Synthie-Sounds zulässt ist, höflich formuliert, äußerst fragwürdig. Unterhalb
der Schwelle an Erträglichkeit waren denn auch so manche Versionen, z.B. "Nothing's
gonna change my love for you" und "In your Eyes", aber auch an und für sich
unzerstörbare Lieder wie "On Broadway" - vor allem dann, wenn man davon andere
(Live)-Versionen kennt. Freilich, es gab auch gute Momente - seine Fingerübungen in "A Great Dream from Heaven", das er an der Sologitarre darbot, ebenso an einer Stelle, an
dem er einen A-Cappella Scat hinlegte. Mehr Jazz, Intimität und Intensität war nicht
drin, auch wenn so manche Gitarrensoli von ihm verdammt gut waren, da wurde einfach
zu viel von den Keyboards zugeklebt und so blieb der Großteil des Gebotenen im
bescheidenen Rahmen. "Never give up on a good thing" (von Michael Garvin und Tom
Shapiro) heißt ein Lied aus seinem reichen Repertoire; Ja, Never give up - schließlich gibt es noch seine Tonträger, die nach einem derart peinlichen
Konzert wieder versöhnlich stimmen. (Text: Manfred Horak; Fotos: Robert
Fischer)
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Kurz-Infos:
George Benson live am 29.11.2009
Wiener Stadthalle
Bewertung: @
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