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Die Tochter von Nat 'King' Cole ließ an diesem Abend kein
Fettnäpfchen aus und verhöhnte das Wesen von Jazz. Dabei fing es gar nicht mal
so schlecht an, die Band swingte fröhlich vor sich hin, Natalie Cole eröffnete
dem Publikum, dass sie die schönsten Lieder mithabe und dass wir uns alle
eigentlich nur relaxt zurücklehnen, und wahlweise mit den Fingern mitschnippen,
mit den Füßen mitwippen oder mit dem Kopf mitwackeln bräuchten - der Rest
sollte auf uns einwirken und puren Genuss bringen. Jedoch kam alles anders. Kurz
nach diesem verheißungsvollen Intro zogen erstmals an diesem Abend eigenartige
Orchesterklänge und Bläsersätze durch den Saal, obwohl die Instrumente weder
nach Geigen noch nach diversen Blasinstrumenten aussahen, sondern eher wie
Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier. ... - ... Ach, da sitzen ja noch zwei Musiker auf der
Bühne. Mit Keyboards. Ist ja toll. Drückt man diese Taste, fliegt einem eine
ganze Big Band um die Ohren und drückt man eine andere, flirren die tollsten Stringsätze
herum. Und, hej! - da gibt es ja noch eine Person, ganz am Rande der Bühne, der
darf, immerhin zweimal am Abend, eine weitere Taste betätigen, damit Papa Nat,
selig, und Tochter Natalie singen, eingetaucht im größten Orchester der Welt. Und
was passierte währenddessen mit den vier Musikern, die ohne Keyboards auskommen
mussten? Die wurden regelrecht erdrückt. Atempause gab es zwischendurch nur
selten, einmal bei einer zumindest ansatzweise witzigen Version von "A-Tisket A-Tasket" von Ella Fitzgerald, ebenfalls selig, und einmal beim Papa
Cole-Klassiker "Mona Lisa", das dankenswerter und überraschender Weise nur auf
dem Flügel begleitet wurde. Eigentlich kurios das Ganze, denn was bezweckt
Natalie Cole damit? Damit wir wissen, wie ihre Alben klingen? Dafür braucht man
kein Live-Konzert. Oder sind kurzerhand gefühlte 20 bis 30 Musiker erkrankt und
es blieb keine Zeit die Lieder neu zu arrangieren? Apropos: So wirklich richtig
unwohl wurde mir, als sie es tatsächlich zustande brachte ein Lied von Michael
Franks zu verhunzen, zugepflastert bis zum geht nicht mehr. Und ein Keyboard-Intro
kam sogar wie "Der Placido Domingo" von Ringsgwandl daher. Was Ringsgwandl
persiflierte wurde hier traurige Wahrheit. Mit dem letzten Lied vor den Zugaben
und bei den Zugaben (ja, es gab tatsächlich welche) war plötzlich alles anders,
denn hier durfte die Band agieren. Vier Lieder mit einer agilen Jazzband und mit
einer auf die Band reagierenden Sängerin. Aber da war es längst schon zu spät,
der unvergessliche Ärger zu groß. Unvergesslich? Unerträglich! (Manfred Horak)
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Kurz-Infos:
Natalie Cole live am 25. Oktober 2009 im Wiener Konzerthaus
Bewertung: @
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