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"The Songs of Kash Buk and the Klowns" ist als Untertitel auf
dem Cover vermerkt, einem Cover, das mit einer Fotografie aus den Ron Kellog
Archiven bereits für erste Aufmerksamkeit sorgt, und an das Cover des
ersten Ry Cooder Albums überhaupt [Ry Cooder; 1970; Anm.] erinnert. Lange, sehr
lange, mussten Ry Cooder Fans auf neue Lieder des Großmeisters der Gitarre
warten. Nach "Get Rhythm" aus dem Jahr 1988 passierte nämlich nicht allzu viel hinsichtlich
pures Ry Cooder Album, von Little Village (1992) – der All Star Band mit
Cooder, Jim Keltner, John Hiatt und Nick Lowe mal abgesehen. Viele Soundtracks
und der Buena Vista Social Club waren zwar ein gewisser Trost, kaum jemand aber
glaubte noch an die quasi Fortsetzung von "Get Rhythm" (das damals übrigens sein
erstes Album außerhalb eines Film-Kontextes seit sechs Jahren war; lange
Wartezeit war man also bereits gewohnt).
Die letzten Jahre hatten es dafür in
sich. Zunächst ein völlig überraschendes Album namens "Mambo Sinuendo" (2003),
das als quasi Brückenschlag zwischen dem Buena Vista Social Club und "Chávez
Ravine" (2005) gelten kann. 2007 erschien die Bürgerrechtsbewegungshommage We'll Never Turn Back von Mavis Staples und Ry Cooder sowie fast zeitgleich das großartige My Name Is Buddy mit
ausschließlich Cooder-Kompositionen (17 an der Zahl!) und nun also die Krönung mit
14 neuen Liedern. Bereits die Songs Johnny Cash, "Steel Guitar Heaven", "Ridin'
with the Blues" und "Filipino Dancehall Girl" sind den Kauf des Albums wert, als
Speerspitze dessen, was sich alles an unglaublicher Musik auf dem Album
befindet. Zum Beispiel sein "Pink-O Boogie", das an die Little Village-Ära
anknüpft, oder sein "Fernando Sez", der wahr gewordene Steel Guitar Traum eines
modernen Buena Vista – alleine dafür gebührt ihm der Nobel-Preis für Gitarre, wenn es diesen gäbe.
Oder "Spayed Kooley", dieser Mariachi - so ein Lied kann man kaum toppen. Cooders
Melodien saugen sich in den Gehörgängen fest und sein Gitarrenspiel ist soundso
ein einziger Superlativ. Dazu kommen seine Musikerkumpels wie u. a. Rene
Camacho am Bass, Joachim Cooder, Martin Pradler und Jim Keltner an Drums, Flaco
Jimenez am Akkordeon, Jon Hassell an der Trompete und Jesus Guzman, der für die
Mariachi Strings sorgt, die "I, Flathead" die besondere Würze geben.
Ja, und dann noch der Gesang von Ry Cooder. Seine
wohltemperiert rauchige Stimme kann den harten Blues singen aber auch die
sanfte Country-Ballade, den Jazz genauso singen wie er eine atmosphärische
Erzähl-Dichte in "Can I Smoke in Here?" aufbauen kann. Die Lieder von Ry Cooder
sind zudem natürlich politische Statements und auch in Interviews hält er sich
nicht zurück, wenn es um Politik geht. "In der Politik", so Cooder in einem
Interview, "geht es im Allgemeinen um Lügen und Betrug – und wenn man genauer
hinsieht, steckt Geld dahinter. Die Frage, die man sich stellen muss, lautet:
Wer verdient an der Politik? Dann kommt man einer Antwort schon näher." Eines
der definitiven Alben des Jahres 2008. (Manfred Horak)
CD-Tipp:
Ry Cooder – I, Flathead
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Musik: @@@@@@
Klang: @@@@@@
Label/Vertrieb: Nonesuch/Warner (2008)
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