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Super gleich der Einstieg mit "Middle Age", einem mit fetzigen
Bläser angereicherten Lied über das Abschied-Nehmen des jugendlich Erwachsenen: "Middle age is diff'rent,/Now you're someone else;/Now you've got some sense/Of
how much time perhaps is left.", singt Forbert in der Eingangszeile. Sein
soulig rockendes Lied macht Gusto auf mehr, und tatsächlich bleibt das Level
ein sehr hohes. Gefühlvolle Melodien und seine markante Stimme erhöhen den
Mehrwert des Albums. Herausragend auch "My Seaside Brown-Eyed Girl". Aufbäumende
Sehnsucht steht im Zentrum des Liedes: "I'm in Tennessee,/You're not here with
me,/You're in Springsteen land,/Summer waves an' sand;/[…]/My seaside
brown-eyed girl,/I need you tonight,/Not a star in sight,/Make that airplane
flight alright." Eine unglaubliche Melodienqualität ist auch im Titellied zu
finden, wobei der Text eher eine halblustige Wortspielerei ist im Vergleich zu "Man, I miss that
girl" oder zum zornigen "Baghdad Dream". Beides sind Lieder zum Thema Verlust, handelt das eine
jedoch vom Verlust einer geliebten Frau, so handelt das andere von den
verlorenen Söhnen im Krieg und von den nur allzu schalen Rechtfertigungen von Rumsfeld
und Bush zum irrationalen und sinnlosen Irak-Krieg. "Can you calculate the cost?/What's been gained and what's been lost",
fragt Forbert an einer Stelle. Ein Lied später, in "Thirty More Years", wagt der Sänger einen überaus poetischen
Rückblick und eine Bestandsaufnahme in einem. "The trees turn into buildings and
the weeks turn into months,/It's one thing or another or it's ev'rything at
once", teilt er darin ebenso mit wie "The geocentric days are gone and Earth is
still a sphere,/Objects in the mirror may be just as they appear". Mit diesen
Liedern gelingt Forbert in sehr überzeugender Manier und genährt durch verschiedene Stilmittel wie Folk, Rock, Country, Soul und Calypso die goldene Mischung eines
Songwriter: Sich nicht allzu weit aus seinem Terrain fortzubewegen und doch einem
das Gefühl zu geben, dass er nicht stehen bleibt. Insofern irritierte zunächst das
Schlusslied, eine Neuversion von seinem kommerziell erfolgreichsten Lied, "Romeo's
Tune" aus dem Album "Jackrabbit Slim" (1979). Vergleicht man die zwei Versionen
und stellt man das Lied noch dazu in den textinhaltlichen Kontext von "Strange
Names…" und vor allem zum Einstiegs-Song "Middle Age" macht diese Version Sinn und
schließt sogar den Kreis des Albums in schlüssiger Weise, denn wie heißt es an einer
Stelle von "Romeo's Tune" so treffend? "Oh, gods and years will rise and fall and
there's always something more/Lost in talk I waste my time and it's all been
said before". Fast schon wegweisend. (Manfred Horak)
CD-Tipp:
Steve Forbert – Strange Names & New Sensations
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Musik: @@@@@@
Klang: @@@@@
Label/Vertrieb: 429 Record/Hypertension Music (2008)
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