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Ha ha, so lustig sollte es sein. Eine ganze Industrie möge
doch bitte über sich selbst lachen und die Bärte, diese alten, verknotet verzwirbelt
fettigen im Witz sind doch nur Maskierungen, in Wahrheit Pop-Art. Wozu seriös sein wenn es die Musikindustrie
auch nicht schafft seriös zu sein? Wozu Respekt zeigen, wir sind doch sowieso
alle nur "in it for the money".
Oberflächlichkeit und Sinnesentleerung anstelle Respekt und Liebe zur Musik
Dabei war die Ausgangslage eigentlich recht
günstig. Der ORF zog sich ja bekanntermaßen zurück, für die Durchführung sorgte
diesmal der junge TV-Sender Puls 4, der sich noch beweisen muss und von daher
war die Erwartungshaltung deutlich höher im Vergleich zu den vorangegangenen
Amadeus Awards, bei denen zunehmend das Niveau sank. Aber, ach, so tief konnte
das vorgelegte Niveau des ORF gar nicht sein – manchmal ist es doch so, dass
man erst im Nachhinein etwas zu würdigen weiß. Erbärmlich, man kann es leider
nicht anders formulieren, war nämlich der Amadeus anno 2008. Wer immer die Moderationstexte für den Moderator
Michael Ostrowski schrieb dachte
falsch, denn das letzte, was die Musikindustrie braucht, ist Oberflächlichkeit
und Sinnesentleerung. Dass der Veranstalter, IFPI Austria [Verband der
österreichischen Musikwirtschaft; Anm.], ein derartiges Niveau zulässt – ohne Respekt
und Liebe zur Musik - wundert mich eigentlich.
Österreich ist progressiv!
Seltsamerweise hielten sich auch
die meisten Überreicher des Musikpreises an diese Untiefen und
Seichtigkeiten, wenn auch der Beginn viel versprechend war, nämlich mit
Gerry Keszler (Life Ball), der die
Nominierungen zur "Single des Jahres national" bekannt gab und den
Amadeus an
Valerie für ihre Single "Mädchen" überreichte. "Österreich ist
progressiv!",
jubelte die Sängerin, und das war auch schon der positive Höhepunkt an
Gesagtem, knapp
gefolgt von Kelli Sae und Peter Legat, die für das Count Basic-Album
"Love
& Light" den Amadeus in der Kategorie "Jazz Blues Folk" überreicht
bekamen,
und dicht gefolgt von dem Dankes-Grunzer von Kurt "Supermax"
Hauenstein, der lange, sehr
lange, warten musste, dass er seinen Amadeus fürs Lebenswerk erhielt.
Sympathisch
auch die Newcomer des Jahres, Herbstrock, sowie die Gewinnerin des FM4
Alternative Act, Clara Luzia, die
bei ihrem Live-Auftritt Joy Division eine Referenz erwies, sowie die Live-Auftritte
von Hubert von Goisern und Herbert Grönemeyer, letzterer durfte so nebenbei
zwei Amadeus-Trophäen (eine davon – Kategorie DVD – wurde von Oscar-Preisträger
Stefan Ruzowitzky überreicht) mit nach Hause nehmen. Letzten Endes erinnerte
mich der Ablauf des Amadeus 2008 an die Persiflage-Szenen über das Trash-Diktat
des Fernsehens im Kinofilm "Free Rainer – Dein Fernseher lügt". Traurig.
Aber: Wo Tiefpunkte, da Hoffnung auf Verbesserung. (Manfred Horak)
Link-Tipps:
Interview mit Kelli Sae und Peter Legat (Count Basic)
www.valeriesajdik.com
Interview mit Valerie Sajdik
Valerie live im Theater am Spittelberg – die Kritik
Amadeus: Lebenswerk für Supermax Kurt Hauenstein
Clara Luzia – Railroad Tracks
Der Amadeus Award verdient kein AMA-Gütesiegel
Interview mit Karl Markovics und Stefan Ruzowitzky
Interview mit Hubert von Goisern
Am Hebel der Macht - Interview mit Hans Weingartner
Dein Fernseher lügt! - Interview mit Moritz Bleibtreu
IFPI
PULS 4
ORF: Der Fernseh-Skandal
Amadeus Music Award
Saint Privat - Superflu
Waldeck - Ballroom Stories
Mika Vember - Now or Now
Hubert von Goisern, Attwenger, Haindling: Wo das Ausland beginnt, oder: es scheint oiwei de söwe sun
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