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Los geht es mit einem typischen DeVille-Einstiegssong. Das
rockige "So So Real" überzeugt mit einer eingängigen Melodie und
Textzeilen wie "I used to think I knew everything". Das nachfolgende
"Been There Done That"
ist ein Swamp-Funk allererster Güte, angereichert durch Trompete,
Posaune und
wabbernden Synthie-Flächen. Kantig und roh. Ganz anders "When I get
home".
Sehnsucht die große Liebe wieder zu sehen ist das Thema, musikalisch
begibt er
sich damit ins folkige Songwriter-Genre. Andere würden mit einem
derartigen Lied ins
kitschige abdriften, DeVille - und genau
das ist eines seiner großen Vorzüge – schafft es hingegen stets ob seiner
Intonation sogar durchschnittliche Textzeilen wie "Oh it's been so long/Since I
held you in my arms/Nights go on like they'll never end" zu etwas Besonderem zu
machen. Diese Meisterschaft prolongiert er auch im Country-Hatscher "Louise",
einem Lied vom leider viel zu wenig bekannten Liedermacher Paul Siebel.
I lost my New Orleans
Als der Hurrikan Katrina hereinbrach, die großen
Wasserpumpen der Stadt ausfielen und unterspülte Gebäude
zusammenbrachen,
evakuierte die US-Regierung am 31. August 2005 die Bevölkerung von New
Orleans.
Der Verlust von New Orleans, einer der schönsten Städte der Welt, ist
Thema in "The Band Played On", dem Höhepunkt des Albums. Ein
Trauermarsch biegt um die
Ecke, mit einem Sänger, der mit Verzweiflung in der Stimme Zuversicht
versprüht,
dass New Orleans wieder auf die Beine kommt: "I know it", ruft er am
Ende des
Liedes aus, "she'll be back again someday". Somit endet – in Vinyl
gedacht –
die erste Seite. Die zweite Seite beginnt mit dem Gospel infizierten
Blues "You
Got The World In Your Hands" bevor es mit einem großen Tusch und einem,
oberflächlich betrachtet, harmlosen Liebeslied weitergeht. Liebeslieder
bei
DeVille haben aber immer wieder seine Tücken und könnten – wie im Fall
von "I
Remember The First Time" - genauso an eine Frau wie an seine
Erfahrungen mit Drogen
gerichtet sein.
Mystische Begegnungen
Der zweite Höhepunkt des Albums ist das mysteriöse "Stars
That Speak". DeVille tritt hier als Sänger zurück und erzählt mit
aufgerauter
dunkler Stimme die Geschichte eines Künstlers über eine Begegnung mit
der Frau
seiner Träume, gemeißelt in Stein. Die Statue beginnt zu beten, dass
sie alles
tun würde um eine echte Frau zu werden, "so the stars give her the
night/warning her do not touch/or they will die". Mystisch geht es
weiter, und
zwar im Blues "I'm Gonna Do Something The Devil Never Did". Der
Liedtitel gibt
die Grundstimmung vor, der Bass und die E-Gitarre fahren einem dabei
durch sämtliche
Knochen und die Düsternis in des Sängers Stimme ist auch nicht gerade
beruhigend. Das abschließende "The Mountains Of Manhattan" ist der
dritte
Höhepunkt des Albums. Willy DeVille agiert hier wieder als Erzähler und
spielt
Wooden Flute, begleitet von Pete Thomas und John Philip Shenale an
Percussions. "There are no songs, no stories, there are no horses/there
are no
coups/everything is taken with no honor and belongs to no one." Ein
außergewöhnliches
Musikerlebnis. Willy DeVille at its best. (Manfred Horak)
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Willy DeVille – Pistola
Musik: @@@@@@
Klang: @@@@@
Label/Vertrieb: Eagle Records/Edel (2008)
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CD-Kritik Willy DeVille "Crow Jane Alley"
Interview mit Willy DeVille
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