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Angst, Haas und Seitensprung
Die Polizistin Vera Haas hat eine Autopanne und ist gezwungen sich für ein paar Tage im kleinen Lichtensteig bei ihrem ehemaligen Kollegen David einzuquartieren. In der Nacht wird sie Zeugin eines seltsamen Vorfalls: ein nackter Mann läuft desorientiert die Straße hinunter. Als sie ihm helfen will, rammt er ihr eine Spritze in den Arm und verschwindet, um erst 90 Seiten später als Leiche wieder aufzutauchen. Keiner will was gesehen haben, eine einzige Frau hört ihr zu. Die lokalen Honoratioren vom Schuhmacher bis zum Metzger tun alles um das kleine Idyll zu erhalten. Hinter den Fassaden suchen die Frauen nach Abwechslung in fremden Betten. Auch für Haas ergibt sich fast ein Seitensprung. Doch ihr Vielleicht-Verlobter Martin Angst taucht gerade noch rechtzeitig als Retter auf. Und dann ist da noch Luke, der schizophrene Junge, der nicht immer weiß, ob die Stimmen nur in seinem Kopf oder real sind. Der aber auch Dinge sieht, die nicht für seine Augen gedacht waren.
"Suche den Feind im Schatten deiner Hütte"... ...ist das Lieblingssprichwort von Profiler Thomas Müller. Hier ist nicht die Mafia, verstecktes Nazigold oder ein politischer Skandal das Tatmotiv, sondern - fast klassisch - die Eifersucht. Es scheint fast, als sollte die Schönheit der Region durch das Verbrechen nicht befleckt werden. Das Buch ist eine Auftragsarbeit des Schweizer Tourismusverbandes Lichtensteig. Das dazugehörige gleichnamige Theaterstück wurde im August bei den Lichtensteiger Krimitagen uraufgeführt. Trotzdem sollte man diesen Regionalkrimi keinesfalls mit einem Krimi von lediglich regionaler Bedeutung verwechseln.
Stille Lügen
Zwei Polizisten, Regina Flint und Cavalli, machen Urlaub in Georgien und suchen nebenbei nach ihrer dort vermissten Freundin Isabella. Aus nebenbei wird schnell hauptsächlich und das noch dazu ohne offiziellen Auftrag. Schneller als gedacht, findet die Reise ein Ende im georgischen Gefängnis. Sie stehen unter Mordverdacht, ein Angriff auf die innere Sicherheit des Landes. Und schon ist es vorbei mit dem Rechtstaat und dem diplomatischen Einfluss. Hilfe kommt in Gestalt des Botschafters Pierre von Arburg, erkauft zu einem hohen Preis. Sie kommen frei, werden medizinisch aufgepäppelt und haben sogar noch ihren Job.
Sorgfältige Ermittlungen Nach wie vor fehlt jede Spur von Isabella. Dafür gibt es einen erhängten Mitarbeiter eines Entwicklungshilfeprojekts und ein totes Zimmermädchen. Immer wieder taucht von Arburgs Name auf. Die Abteilung für Kapitalverbrechen, wie das Morddezernat in der Schweiz heißt, ermittelt sorgfältig und stellt Querverbindungen her. Die Polizei tritt hier als großer Apparat auf, in dem viele Menschen arbeiten, die genau das sind: Menschen. Sie haben ihre Stärken, ihre Schwächen, machen Fehler, die auch tödlich ausgehen könnten. Im Vordergrund steht die Arbeit und die konzentrierte Arbeit an der Falllösung. Eine löbliche Einstellung, die man sich im echten Leben auch wünschen würde. Das Privatleben der Ermittler, vor allem von Flint und Cavalli, folgt einer eigenen Dramaturgie, die über die 349 Seiten hinausgeht. Und bildet solchermaßen den Cliffhanger zum nächsten Buch von Petra Ivanov.
Man könnte der Autorin - mehr über Ivanov kann man im Interview nachlesen - vorwerfen, bei der Falllösung beide Male in die gleiche Trickkiste zu greifen. Das ist vielleicht nicht besonders originell, aber es funktioniert. Alles in allem, sehr sauber gearbeitet. (Text: Christine Koblitz; Foto: Walter Imhof)
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Buch-Tipps:
Petra Ivanov - Angst, Haas und Seitensprung Bewertung: @@@@1/2 Verlag: Appenzeller Verlag (2009) ISBN: 978-3-85882-501-8
Petra Ivanov - Stille Lügen Bewertung: @@@@@ Verlag: Appenzeller Verlag (2009) ISBN: 978-3-85882-481-3
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